Das Frauen- und Kînderheim Wolfbrunnen in Lausen BL. Um 1930
Dr. Thomas Huonker
Telefon 078 658 04 31
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Postadresse
Ährenweg 1
CH-8050 Zürich
'Kinderheime in der Schweiz' wird von der
Guido-Fluri-Stiftung getragen und ist ein Projekt
von www.worldkids.info
„Bausch, der Cheferzieher, der Erziehungsmanager, dem vom Staat 40 Knaben im Alter von 6 bis 16 anvertraut worden waren, natürlich im Namen einer vorgeschobenen Stiftung, thronte für alle gut sichtbar im Speisesaal, dreimal täglich zu den Mahlzeiten, unter der Gipsbüste von Pestalozzi, seinem Vorbild. Unablässig sprach er von Pestalozzi. Die Zöglinge kannten Pestalozzis Biografie, oder wenigstens einige Jahreszahlen, doch die Erziehungsmethoden des grossen Aufklärers blieben ihnen unbekannt. Unter seiner Büste sass der Cheferzieher, der Haustyrann, hielt Gericht, strafte, fluchte, donnerte, drohte, betete, verurteilte, schrie herum, machte jeden Knaben zum Wurm oder zur Ratte, führte mit Akribie sein Strafenbuch mit vielen Strichen.“
Daniela Tschaggelar-Hodel, geboren 1964. Kinderheim Sonnhalde Luzern
Man wurde oft mit Essensentzug bestraft! Wenn man was anstellte, dann gab es keine Nahrung. Und da ich oft zu spät kam, gab es oft kein Essen. Ich hab das mal einer Frau auf dem Schulweg erzählt, da steckte sie mir manchmal einen Apfel zu. Ansonsten habe ich oft Früchte aus den Gärten geklaut. Ich habe mir eine Sammlung von (meist) Früchten angelegt, unter dem Bett in der Schublade. Damit ich immer was hatte, wenn ich mit Hunger ins Bett musste. Ich war dauernd auf der Suche nach Essbarem! Manchmal hatte ich Abends Angst einzuschlafen, weil ich dachte, ich sei am Morgen verhungert! Es hat mir niemand gesagt dass das nicht möglich ist.
Ein Vater einer Schulkameradin hat mich mal in einem Keller fast vergewaltigt, weil ich mit ihm in den Keller ging, weil er mir dort unten eine Tasche saftige Birnen versprach!
„In Rathausen mussten wir schon mit fünf, sechs Jahren hart arbeiten. Tannzapfen zusammen lesen, Kartoffeln graben, im Winter gefällte Bäume auf die Wege ziehen. Arbeiten, nichts als Arbeiten. Von Spielen sprach niemand. Beim kleinsten Fehler, beim kleinsten Ungeschick wurde einem ein Bambusrohr über den Grind geschlagen.“
Eduard Steiner, geboren 1934 in Hergiswil am See. Vom Alter von 5 bis 18 Jahren im Kinderheim Rathausen, Kanton Luzern
Es gab nicht nur Körperstrafen, es gab auch Demütigungen, Psychoterror würde man heute sagen. Prügel gab es tagtäglich, ja stündlich. Wenn wir geschlagen wurden, hiess es, wir seien selber Schuld. Einmal wurde ich für zwei Tage und zwei Nächte im „Chrutzi“, einer Gefängniszelle, eingesperrt. Ohne Matratze, mit einem Eimer, etwas Suppe und vielen Schlägen auf den Kopf.
Zu Essen gab es praktisch jeden Tag im Wasser gekochte Kartoffeln. Wir nannten dies ironisch «Moses», also: «Der aus dem Wasser Gezogene». Mit 17 Jahren wog ich nur 34 Kilo, so steht es in einem Arztbericht.
"Ab sofort gab es einen grauweissen Streifenrock und Holzschuhe"
Charlotte Wäfler, geboren 1947, Pflegefamilie, Erziehungsheim Brüttelen, Brüttelen BE
"Du wirst wie deine Mutter, du gehörst in eine Erziehungsanstalt!"
Wer aber ist meine Mutter? Mit sieben Jahren eines Morgens beim
Frühstück erzählte mir damals meine Mutter - ich meinte, sie sei es - :
"Ich muss dir etwas sagen. Wir sind nicht deine Eltern. Ich bin deine
Tante. Der Mann, der vis-à-vis wohnt, ist dein Vater." Der erste Schock
meines noch jungen Lebens. Nach der Frage: "Wer ist denn meine Mutter?"
die kurze Antwort: "Die ist nichts wert, die kann kein Kind erziehen."
Von da an erwachte in mir eine Rebellin.
Werner Aliesch, geboren 1952. Pflegefamilie, Heim Gott hilft in Wiesen bei Herisau, Erziehunganstalt Platanenhof, Oberuzwil
Ihre Dokumentation im Fernsehen habe ich mit Aufmerksamkeit mitverfolgt. Dabei musste ich feststellen, dass ich eigentlich gar nicht in das Schema passe, welches Sie hierbei vorgeben. Ich bin Jahrgang 1952 und meine sieben (waren wir) Geschwister bewegen sich in den Jahrgängen 1947 bis 1957. Im Verlauf Ihrer Dokumentation wurde mal erwähnt, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft sich zu der Verdingkindpolitik Gedanken gemacht hat, um diese zu verändern.
Ich denke, dass dies wohl gewürdigt werden müsste, wenn danach auch Taten gefolgt wären... Und nun zu meiner Geschichte!
Willy Mischler. Geboren 1957. Kinderheim Mariahilf, Laufen (1960 bis 1969), Kinderdörfli Rathausen (1969 bis 1973)
Die Schwester Oberin schleppte mich in den Duschraum und sagte: Zieh dich schon mal aus und bete bis ich zurückkomme. Ich war damals vielleicht fünf, sechs Jahre alt. Als sie dann wieder kam, warf sie mich in die Badewanne und hielt mir die Duschbrause mitten ins Gesicht, das Wasser voll aufgedreht. Ich konnte nicht mehr atmen, ich strampelte wie verrückt, ich geriet völlig in Panik. Das war eine der Lieblingsstrafen der Schwester Oberin. Man musste nicht unbedingt etwas angestellt haben dafür, oft reichte es aus, dass sie schlecht gelaunt war. Jedes Mal dachte ich: Jetzt ist es vorbei, aus, jetzt sterbe ich.