Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Videos zum Thema

Interview mit Willy Mischler, * 1957, am 18. November 2014

Zusammen mit seinen drei Brüdern wuchs Willy Mischler in den Kinderheimen Laufen (früher Bern, heute Baselland) und Rathausen (Luzern) auf. In beiden Kinderheimen fungierten Ingenbohler Schwestern als Pflegepersonal. Während aus früheren Jahren über Rathausen Berichte über schwere Misshandlungen bis hin zum sexuellen Missbrauch durch das Pflegepersonal, andere Angestellte sowie durch den damaligen Direktor Gottfried Leisibach, der 1949 deswegen abgesetzt wrude, vorliegen, erlebte Willy Mischler seinen Aufenthalt in Rathausen als positiv, jedenfalls im Vergleich zu seiner Zeit im Kinderheim Laufen. Er und sein Bruder Michel wurden dort schwer misshandelt: Abduschen, mit vollem Strahl ins Gesicht als Strafe, unter Erzeugung von Todesangst (Erstickungsangst) bei den Bestraften (entsprechend dem sog. Waterboarding), Herumschleudern von Kindern auf dem Gang. Willy Mischler erwähnt neben den Misshandlungen auch die positiven Seiten seiner Heimjugend. Sehr wichtig waren der gute Kontakt zu den Grosseltern und der Zusammenhalt der Brüder im Heim. Willy Mischler kritisiert im Interview auch den vom Kloster Ingenbohl in Auftrag gegebenen Bericht zur Geschichte der von diesem Orden betreuten Kinderheime und bemängelt, dass der Orden keine Einzahlung in den Soforthilfefonds zu tätigen bereit ist, im Unterschied zum Benediktinerorden und zu den Menzinger Schwestern im Fall Klosterheim Fischingen. Er äussert sich auch zu den Stationen seiner eigenen Befassung mit seiner Heimjugend und zum aktuellen Stand der Aufarbeitung (Entschuldigungen, Runder Tisch, Volksinitiative etc.)

 

zurück zur Übersicht.