Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

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Interview mit Andreas Santoni am 9. April 2015

Andreas Santoni erlitt schon als kleines Kind sexuellen Missbrauch durch einen Geschäftspartner seines Stiefvaters. Wegen Schulschwierigkeiten kam er für einige Jahre ins Kinderheim St. Benedikt, Hermetschwil. Vom dortigen Dorf- und Heimpfarrer Thomas Hardegger wurde er über längere Zeit mehrfach sexuell missbraucht, unter dem Vorwand, einem Heimkind "Wärme und Liebe" zu geben. Das Heim, damals bereits von professionellen Heimerziehern geführt, brachte zwar gegenüber dem früheren dortigen Regime der Nonnen andere Strafformen, vor allem Kollektivstrafen. Dies werfen aber ebenfalls ein schlechtes Licht auf die über 130jährige Institution. Die belastenden Erinnerungen, über die er sich erst spät aussprechen konnte, führten zum Versuch, sich mit im Auto mitgeführten Gasflaschen vor dem Kinderheim in die Luft zu sprengen. Es folgte die Einweisung in die psychiatrische Klinik Königsfelden, der Verlust des Arbeitsplatzes und der Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik. Dort fand Andreas Santoni Zugang zu Therapieformen, mit deren Hilfe er nun seine Traumatisierung zu bewältigen versucht. Um den Beitrag seiner Pensionskasse an die nach langen Jahren seit kurzem erkämpfte IV-Rente zu erhalten, war die Einschaltung eines Anwalts nötig; dessen Finanzierung ermöglichte ein Darlehen Verwandter. Dass Versicherungen versuchen, die Leistungen an die Versicherten zu verweigern, und diese in kostspielige, für viele unerschwingliche Rechtshändel zwingen, ist eine bittere Erfahrung vieler Betroffener. Als sie auf Sozialhilfe angewiesen war, durchlebte Familie Santoni harte Zeiten; sie waren u.a. auf Lebensmittelpakete der Hilfsorganisation Cartons du Coeur angewiesen.

 

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