Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Videos zum Thema

Interview mit Jules Michael Meier, * 1952, am 22. Oktober 2012

Jules Michael Meier kam wegen Schulschwänzen und kleinen Diebereien in ein erstes Erziehungsheim, dem weitere folgten. Es wurde auch versucht, ihn als Verdingkind bei einem Bauern in Oetwil ZH zu platzieren. Aus diesen Versorgungsplätzen entfloh er jeweils zurück zu seinen Eltern. Schliesslich wurde er als 14jähriger zunächst in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Klinik Rheinau untergebracht, wo er einerseits positiv auffiel, da er ja keine psychische Störung aufwies und auch keine solche diagnostiziert wurde. Anderererseits versuchte er auch aus dieser Platzierung zu fliehen, indem er z.B. Sägeblätter in einer Schokolade einschmuggelte. Schliesslich wurde er, immer noch als Jugendlicher, administrativ in die Strafanstalt Gmünden, Appenzell Ausserrhoden, eingewiesen, was illegal war. Jules Michael Meier leidet seit Jahrzehnten unter den Folgen seiner Jugend, die letzten Jahre lebte er auf dem von der Sozialhilfe gesetzten Existenzminimum. Zwei Jahre nach diesem Interview erhielt er eine AHV-Frührente, ebenfalls im Minimalansatz, aber seine Bemühungen, eine IV-Rente (mit etwas höheren, aber immer noch bescheidenen Ansätzen) zuugesprochen zu erhalten, prallten an den Sparrichtlinien der IV ab.

 

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