Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

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Interview mit Kurt Schmid, * 1945, am 20. August 2013

Kurt Schmid, geboren am 1. August 1945, wurde, wie seine Geschwister, fremdplatziert, weil sein Vater ein gewalttätiger Alkoholiker war, von Beruf Eisenleger. Kurt Schmid kam zuerst in verschiedene von Frauen geführte Kinderheime, an die er sich nicht mehr genau erinnern kann. Laut den Akten waren es das Kinderheim Bischofshöhe in Riehen BS, das Heim Bergsonne in Adelboden BE, die Anstalt zur Hoffnung in Riehen und das Beobachtungsheim Sunnehüsli. In einem dieser Heim schlug ihn eine weibliche Betreuungsperson Schwester so schwer auf die Nase, dass es zu einem Nasenbeinbruch mit bleibenden Folgeschäden kam. Später wurde Kurt Schmid, nach erneutem Aufenthalt bei seinen Eltern, ins Knabenerziehungsheim Schloss Kasteln, Oberflachs AG (heute Schinznach AG), eingewiesen. Dort herrschte ein strenges, militärisches Regime mit Strafen, auch Schlägen, und harter Arbeit im Landwirtschaftsbetrieb. Die Schule war zwar streng geführt, mit Linealschlägen auf die Hände, aber nicht weiterführend oder fördernd. Die zwischenzeitlichen Aufenthalte zu Hause waren geprägt von der Armut und dem gewalttätigen Vater, gegen den sich Kurt Schmid, als er älter wurde, zu wehren begann. Nach der Anstalt Kasteln wurde Kurt Schmid gegen seinen Willen bei einem Bäcker platziert, was nicht funktionierte. Mit Hilfe seines Bruders fand er schliesslich andere Arbeitsstellen, stets auf der Suche nach solchen, wo er den Lohn auf die Hand bekam, sonst ging die Überweisung an den Vormund, und ihm blieb nur eine kleines Taschengeld. Nach der RS kam Kurt Schmid, der auch mehrfach länger im Ausland weilte, u.a. in Indien, wegen Versäumnis von Wiederholungskursen für 3 Monate in die Zwangsarbeitsanstalt Zugerberg und wurde dort einmal mehr in der Landwirtschaft beschäftigt. Mehr schlecht als recht schlägt sich Kurt Schmid seitdem als Selbständiger in der Reinigungsbranche durch. Die Tonqualität des Interviews ist leider durch den Umgebungslärm beeinträchtigt.

 

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