Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

keine vorkommnisse..?

keine vorkommnisse..?

Beitragvon max » Mo 18. Feb 2013, 08:33

ich frage mich, warum über das Kinderheim Iddaheim in Lütisburg so wenig über negative Vorfälle bekannt wird..? Ich als "Sträfling" dieses Heims weiss aus eigener 7 Jähriger Erfahrung was da so abgegangen ist. Ich war von 1963 bis 1970 in den Fängen der Ordensschwestern und den Machenschaften und Prügelexessen der Priester und Praktikanten ausgeliefert. Warum frage ich mich, schreibt niemand? Getraut sich keiner aus Scham, oder ist alles vergessen worden?
max
 
Beiträge: 1
Registriert: Do 24. Jan 2013, 13:57

Re: keine vorkommnisse..?

Beitragvon Whof » Mo 15. Apr 2013, 15:35

Warum sich aus diesem Heim so wenig melden? Vielleicht gibt es dafür keinen bestimmten Grund. In der Liste der Kinderheime kann man sehen, dass einige andere Heime noch heute keinen Eintrag haben, und in den Medien von ebenso vielen nie geredet worden ist.

Scham, Wut, Trauer und Vergessenwollen sind mögliche Beweggründe aus der gemachten Erfahrung Kinderheim heraus etwas zu tun oder zu unterlassen. Mit diesen Gefühlen arbeitet der Therapeut, oder man begegnet ihnen selbst und wenn man sie zulässt, kann man durchaus heilsame Erfahrungen machen.

Aus meinen Jahren in Lütisburg (von 60 bis 69) weiss ich, die Schläge, das Quälen, die Erniedrigungen, das Blossstellen, das Ausgeliefertsein, die gänzliche Abwesenheit jeglichen Verständnisses für Kinder (was immer wir taten wurde, wenn entdeckt, von der Aufsichtsperson als gegen sie gerichtete persönliche Kränkung wahrgenommen), die heute schwer zu glaubende seelische Grobheit im Umgang mit uns und einiges nicht Genanntes mehr, war nur Mittel zum Zweck.
Ob bewusst oder unbewusst - ich glaube eher letzteres - hatte die systematisch angewandte grausame und gänzlich unpädagogische Umgangsweise mit uns nur ein Ziel und tief drin wissen wir es - man hat uns das Leben genommen.
Man hat uns das Leben genommen ohne uns umzubringen und ohne von aussen sichtbare Spuren zu hinterlassen. Dass wir das zugelassen haben - wohl auch gar nicht anders konnten -, dafür hassen wir uns.
Intuitiv wissen wir, wenn wir darüber reden oder gar damit an die Öffentlichkeit gehen, es wird uns unser Leben nicht zurückbringen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich so wenige dazu bereitfinden, sich über diese Einrichtungen oder gemachte Erfahrungen zu äussern.
Whof
 
Beiträge: 1
Registriert: Do 11. Apr 2013, 11:14


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron