Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Misshandlungen und Missbräuche im Kinderheim Malters 1947-19

Misshandlungen und Missbräuche im Kinderheim Malters 1947-19

Beitragvon Thomas Huonker » Di 4. Jan 2011, 12:21

Herr D.F.(Name geändert) meldete sich bei uns telefonisch. Er war zusammen mit seiner Schwester in dem von Ingenbohler Schwestern geleiteten Kinderheim Malters, Kanton Luzern, von 1947 bis 1956, und berichtet: "Es war eine traurige Sache. Sie ging mir das ganze Leben lang nach. Ich bekam mit 23 Jahren eine psychische Krankheit. Ich bin jetzt 63. Mein Leben war verpfuscht. Ich habe auch körperliche Probleme, mit dem Gleichgewicht. Wir wurden mit fadenscheinigen Gründen von zu Hause weggenommen. Die Nonnen steckten mich als 5jährigen abends oft in die Badewanne und drückten mir den Kopf unter Wasser. Ich hatte Angst zu ertrinken. Wir wurden sexuell missbracht. Da waren Studenten, angehende Priester, die hielten Nachtwache und weckten uns in der Nacht. Sie sagten, sie täten dies, damit wir nicht ins Bett machten. Aber sie missbrauchten uns sexuell. Ich habe es schon oft erzählt, aber niemand glaubte es. Es fragte keiner nach. Die Ärzte, denen ich das erzählte, verschrieben mir lieber Pillen. Ich verbrauche Medikamente für bis zu 2000.- Franken im Monat. Ich muss 14 Tabletten einnehmen pro Tag, an manchen Tagen 20 Stück."

Zu den Misshandlungen im Kinderheim Malters erschien auch ein Artikel in der Neuen Luzerner Zeitung vom 25. Juni 2010 von Dave Schläpfer. Er lautet wie folgt:

Malters 15.06.2010 05:00
Schwere Vorwürfe gegen Heim in Malters
Während 34 Jahren gab es in Malters ein Kinderheim. Hier scheint es ebenfalls zu Misshandlungen gekommen sein.
Eine Ordensschwester soll im ehemaligen Kinderheim Malters Kinder geschlagen und psychisch misshandelt haben. Diese Vorwürfe werden von einem ehemaligen Heimkind in einem anonymen Brief erhoben.
Das Heim, das von 1938 bis 1972 existierte, wurde von den Ingenbohler Schwestern geführt und beherbergte jeweils knapp 40 Kinder zwischen 2 und 15 Jahren. Die heutige Provinzoberin Marie-Marthe Schönenberger nimmt die Aussagen «sehr ernst». Die beschuldigte Schwester sei bis ungefähr 1954 im Kinderheim tätig gewesen, bestätigt Schönenberger. Es werde die Aufgabe der unabhängigen externen Fachgruppe oder der kantonalen Expertenkommission sein, den Fall zu untersuchen.
Das Kinderheim-Gebäude an der Zwingstrasse besteht nach wie vor. Seit 1989 ist hier unter anderem ein Kindergarten untergebracht.

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Das ehemalige Kinderheim Malters in einem alten Prospekt der Institution im Gemeindearchiv Malters. (Bild pd)
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Thomas Huonker
 
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