Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Beschwerde wegen Diskriminierung:

Beschwerde wegen Diskriminierung:

Beitragvon antropoly » Mi 3. Feb 2016, 13:54

Es geht um körperliche und seelische Verletzungen, die uns Zöglingen in den Institutionen angetan wurden. Alte Verletzungen kann jede Unfallversicherung dazu benützen, sich den Leistungen zu entziehen. In unseren Fällen ist dies aus meiner Sicht klar diskriminierend.
Bei welchen Instanzen kann ich diesbezüglich mein Beschwerderecht wahrnehmen?
Mit freundlichen Grüssen
Rudolf Frei
Untenstehend Mail von Herrn Mader

Sehr geehrter Herr Freitag

Besten Dank für die sehr aufschlussreichen Unterlagen. Sie helfen, die vielfältigen Mechanismen besser zu verstehen, die in sehr vielen Fällen letztlich zu Unrecht und Leid geführt haben, und zeigen, wie unglückliche Verkettungen entstehen, die das ganze Leben hindurch nicht abreissen.

Betreffend Verjährungsverzichtserklärung haben wir uns wohl nicht ganz richtig verstanden. Wir haben für den Runden Tisch abgeklärt, ob auf die Einrede der Verjährung verzichtet werden könnte. In der Notiz wird aufgezeigt, dass dies sowohl im Privat- wie auch im Verwaltungsrecht an sich möglich, dass es aber auf zahlreiche praktische Hindernisse stösst. In den meisten Fällen ist deshalb kaum damit zu rechnen, dass ein solcher Verzicht erfolgt. Ich übermittle Ihnen unsere Notiz in der Beilage.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und vor allem die nötige Kraft, um mit Ihrer Situation weiterhin so umzugehen, wie Sie dies in beeindruckender Weise tun.

Mit besten Grüssen.

Luzius Mader
Stellvertretender Direktor

Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement EJPD
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Re: Beschwerde wegen Diskriminierung:

Beitragvon jubel » Do 4. Feb 2016, 10:04

Die Folgen einer solchen Kindheit brachten meinen Bruder früh (mit 56 ins Grab). Er war nicht in der Lage das ganze zuverarbeiten und hatte grosse seelische und körperliche Schäden.
Ich selber habe die Seelischen Schäden verarbeitet, merke aber mit meine 57 Jahren die körperlichen immer mehr. So führte eine bis 14 Jahren nicht behandelte epiphysiolyse zu x Operationen beider Hüften und frühem Einsatzzu künstlicher Hüftgelenken, und Revision des Rechten Hüftgelenkes. Durch die x Operationen wurde vor allem der Trochantermusskel der Art geschädigt das ich seid Jahren nur noch mit schwankenden Bewegungen gehen kann (Trendenlenburg). Folgen davon schädigung des Rückens und seid Jahrzenhnten Schmerzen beim Gehen, Sitzen und Liegen. Aufgrund des jahrelangen Medikamentenbezugs und Einnahme derer, funktionieren nun die Nieren nicht mehr wirklich gut. Darauf habe ich die Schmerzmedikamentation abesetzt (ausser b. sehr hohen Spitzen 7>) und mir eine gute Sauna eingebaut die ich 3x Wöchentlich nutze da ich feststellen konnte das Wärme teilweise Linderung bringt, Habe mir eine spezial Matratze bauen lassen die an den kritischen Stellen weicher ist mich aber im Rücken trotzdem stützt, brauche Spezailschuhe, Bade täglich und gehe 2x die Woche in die Physiotherapie und mache täglich mein Gesundheitsprogramm (Eigenkörpergewicht training und PME) um so die Schmerzen im Griff zu haben. Um all die Trainings und Therapien zu machen und auch noch entspannen zu könnnen arbeite ich nur noch zu 50%. Auf Anraten des Artztes habe ich dann letztes Jahr den Antrag auf eine IV gestellt. Mein Arbeitgeber wäre bereit mich noch zu 50% zu beschäftigen. Jetzt bin ich mal gespannt, ich gehe davon aus das dies alles noch nicht reicht für eineTeilrente. Aber so oder so werde ich nicht mehr als 50% arbeiten, habe das Glück das meine Familie (Frau und erwachsene Kinder) hinter mir steht und ich auch mit 50 meines Einkommens leben könnte, wenn auch mit massiven Abstrichen.
Krankenkasse konnte ich auf Grund meiner Geschichte gar nie auf ein vernünftiges (sprich Privatversicherung) heben den es wurden immer gleich Ausschlüsse noch und nöcher gemacht, hätte also keinen Sinn gemacht. Ach und die zig Tausenden von Franken für viele der Massnahmen habe ich alle selber getragen und Trage diese für erhöhte Stromkosten etc. immer noch selber.
Insofern werde auch ich, wie so viele andere, ein leben Lang "gestraft" aufgrund meiner unlücklichen Kindheit und den folgen daraus. Konkret werde ich keine volle AHV erhalten da ich bis ich rund 30 Jahre alt war brauchte um meinen Weg zu finden. Danach war ich zwar sehr gut verdienend und habe immer bezahlt, aber trotzdem bestehen halt Lücken. Als ich dann in der Lage war dies zu merken konnte ich diese nicht mehr begleichen da dies ja nur währen 5 Jahren danach möglich ist. Fazit sowohl bei der Krankenkasse als auch bei der AHV werde ich immer benachteiligt sein wie viele andere auch. Lange Rede kurzer Sinn, leider weiss ich auch keine Lösung dafür. Jetzt bin ich ja als nächstes mal gespannt ob mir eine Teilrente zugesprochen wird.
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Re: Beschwerde wegen Diskriminierung:

Beitragvon antropoly » Mo 4. Jul 2016, 15:25

Deine Lebensgeschichte ist mir sehr vertraut. Ich kann da nur mein Mitgefühl in dein Leben werfen und hoffen, dass sich in der Zukunft einige Unrechtszustände verbessern und wir die nötige Kraft immer wieder mobilisieren können. Du darfst misch auch direkt kontaktieren Ruedi Frei Wienacht
antropoly
 
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