Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

zwischen "einigermassen fürsorglich" und "Fertigmachen"

Re: zwischen "einigermassen fürsorglich" und "Fertigmachen"

Beitragvon poldi » Fr 15. Apr 2011, 19:47

Für einen schnellen überblick (mit Fotos) dient dieser Link:[url] http://www.facebook.com/home.php?sk=gro ... 7159454241
[/url]Die detaillierten Geschichten finden sich hier.


Fräulein Elisabeth (Liese) Fortsetzung / mit Thema Ernährung:

14.04.2011


Korrektur / Nachtrag
Ehemalige Zöglinge wollen, dass obiges Thema etwas detaillierter dargestellt wird. Damit kein falscher Eindruck des geschilderten entsteht,gehe ich gerne auf Eure Wünsche und Korrekturanregungen (wie in nachstehender EMAIL erwähnt [Original, jedoch Satzumbrüche durch mich angepasst]) ein.



Hallo, Poldi

habe wieder deine neuesten Fortsetzungen gelesen.Diesen Bericht über das Essen,dass war in der Zeit der Schwestern.Den ich kann mich erinnern,dass wir bei Tanti oft Hunger hatten.Und wehe es hat etwas nicht geschmeckt und wir haben es nicht runter gebracht,dann wurde es so lange aufgewärmt bis man es nach mehrmaligem raufkommen dann doch geschafft hat,dass es unten blieb und man entlich wieder am normalen Essen teilnehmen konnte.Wir haben überall Essbares geklaut wie die Spatzen.
Ich kann mich auch nicht erinnern,dass wir bei den Schwestern oft Bestraft wurden.Beim Tanti da gabs z.B.die kalte Dusche.Egal wie alt man war.Die ist eingefahren.Ich weiss nicht ob sie sich das bei Dir noch getraut haben.Oder im Kartoffelkeller den ganzen Nachmittag Säcke voller kartoffen zu entkeisten.Es konnte auch vorkommen,dass sie dich eine Stunde auf einem eckigen Lineal knien lies,oder Sundenlanges stehen in der Ecke.
Aber ja,wir sind noch da.
Es erstaunt mich wirklich wie du alles noch so genau weisst,auch die Namen.Ich hoffe Du weisst noch viel zu erzählen.



Es stimmt, was dieses ca. 7 Jahre jüngere ehemalige Heimkind beschreibt.
Mir passierte einmal das Missgeschick, dass der mit Griesmus beladene (wertvolle Steingut -) Standardteller zu Boden fiel und in viele Stücke zersprang. Dass ich alles sauber aufputzen durfte, ist selbstverständlich. Mit der Kehrichtschaufel und den Händen wurde alles zusammen in den Putzeimer gekippt, anschliessend mit dem Bodenlappen nachgewaschen. Wie ich mit all dem fertig war, wurde mir eröffnet, dass ich die Tellerstücklein ALLE aus dem Eimer zu nehmen und nach dem Reinigen zur Seite legen soll. Desgleichen hätte ich das Griesmus anschliessend zu essen.
Da machte ich gewaltig auf Stur, ass weder dieses Griesmus zum Mittag- noch zum Nachtessen. Auch am nächsten Tag ass ich weder mittags noch abends das noch immer wartende Mus. Nach dem Nachtessen kam der allseits beliebte Sadist Fürsorger Röllin und hielt mir eine Standpauke. Am nächsten Tag war Mittwoch, er erwarte mich nachmittags mit allen Scherben in seinem Büro im Amtshaus Rorschach. Dort durfte (musste, mir blieb ja keine andere Wahl) ich den Teller mit CEMENTIT – Kleber wieder zusammenflicken. Dass ich mich weigerte, aus diesem (mit Kleberwülsten durchzogenen) Teller zu essen, dürfte verständlich sein.
Meinen Willen konnte dieser nette Sadist nicht brechen, ich beugte mich nicht.
Irgendwann war dieses Theater vorbei, ich erhielt wieder einen normalen Teller, - das Griesmus musste eh schon lange weggeschmissen werden. Es stimmt, manchmal war man froh, auf dem Schulweg etwas essbares zu finden. Reife Früchte am Wegrand waren natürlich gerne genommen, auf meinem Schulweg befand sich in der Gabelung Langmoos- Heidenerstrasse eine Konsumfiliale (COOP). Auf der Südseite, gleich neben dem gelben Briefkasten stand ein Container, in welchem sich häufig noch essbare Abfälle fanden. Von den angefaulten Äpfeln, Bananen, Mandarinen, Orangen oder was auch immer konnte man das Faule wegbeissen und hatte dann noch immer etwas zum essen. In der Schule kam ein Bäcker (Püürlisepp) und verkaufte in der Pause an die Mitschüler „mit dem notwendigen Kleingeld“ seine Backwaren. Wenn dieser wieder gegangen war, befand sich am Boden eine rechte Menge von Rindenkrümeln / Brosamen, welche durch die Flechtwerköffnungen des Korbes herausfielen. Noch bevor der Abwart (Hr. Wiedmann?) kam, bediente ich mich, die Krumen schmeckten köstlich. Ebenso köstlich schmeckten die Brötchen, welche uns manchmal am Fenster der Konsumbäckerei gegeben wurden.
Unvergesslich sind mir die mit etwas Zucker bestreuten Butterbrote, welche die Mutter des Schulkameraden Edwin machte. Edwin hatte viele interessante Hobbys, wusste spannende Dinge und wohnte auf leider nur etwa ¼ des Weges zwischen dem Schulhaus und dem Heim Machmal nahm er mich kurz zu sich in die elterliche Wohnung rauf, prompt strich seine Mutter diese feinen Brote und bot ein Glas Sirup an.
Erwähnen möchte ich zum Schluss dieses Kapitels, dass in dieser Zeit nicht mehr Frl. Elisabeth (der eben unsere liebe Liese) für die Küche zuständig war. Sie wurde ziemlich schnell ersetzt, es gab ein Frl. Ursula, eine Frau Pfefferkorn u.a. Diese versuchten sicher auch, für uns „etwas gutes“ zu machen, waren jedoch (wie im MAIL angedeutet) an die Vorgaben von Tanti gebunden.



Lehrerschaft / Schule:

15.04.2011

Leider kann ich dem verschiedentlich geäusserten Wunsch „bitte schreib doch etwas über die Schule und die Lehrerschaft“ nicht nachkommen. Ich hatte meinen, jedes von Euch seinen Lehrer, ich besuchte in einem der 5 Schulhäuser den Unterricht, ihr in einem Anderen. Jedes von Euch hat seine eigenen Erlebnisse, bei vielen waren sie gut, bei einigen schlecht.

Als Trost schildere ich Euch ein paar Episoden aus meiner Schulzeit. Die 1. - 3. Klasse bei Fräulein Steiner im Schulhaus Schönbrunn war eigentlich ganz normal. Ich lernte wie alle Anderen auch kritzeln und später schreiben, lesen, rechnen und das damals übliche. Ich glaube, es war in der dritten Klasse, als ich eines Tages eine (selbstgemachte) Halskette in die Schule brachte. Aus 1-Rappenstücken, welche am oberen und unteren Rand durchgebohrt waren, sowie S-förmigen Kupferdrahtteilen, welche mit der Spitzzange nach dem Einfädeln verschlossen wurden, bestand dieses „Kunstwerk. Nach dem Fertigstellen wurde das ganze in eine (stinkende) Chemikalienmischung (Ammoniak u. a.) getaucht, wenn die schwärzung genügen stark war, wieder rausgenommen, partiell mit Schmirgeltuch gereinigt und wenn es „genügend alt“ aussah, mit Zaponlack versiegelt. Diese Kette wollte ich vorzeigen, veräussern oder jemandem schenken. Sehr wahrscheinlich war die Menge Kinder, welche sich in der Pause um mich scharten, derart gross, dass unsere Lehrerin darauf Aufmerksam wurde. Nach der Pause, zurück im Schulzimmer, musste ich meine Hosentaschen leeren. Nichts besondere ausser eben dieser Kette, - Fragen über das woher, warum. Sie glaubte mir und anerbot mir, diese Kette gegen ein Buch, welches ich in der Bibliothek auswählen durfte, einzutauschen. Die (ca. 5) SJW – Hefte, welche ich auswählte, „galten als ein Buch“, - ich nahm „das Buch“, Frl. Steiner die Kette (welche sie übrigens öfters trug).
Die 4. - 6. Klasse durfte ich beim Lehrer Hans Forrer absolvieren. Ziemlich schnell war ich „sein Lieblingsschüler“, das letzte Heimkind (Erika) hatte auch „diese Ehre“.Bei jeder sich bietenden Gelegenheit stellte er „den Waisehüsler“ bloss. Das schmerzhafteste Beispiel:
Die Schulreise sollte uns dieses Jahr in den Kanton Graubünden führen. Einige Zeit vor dem Termin wurde über die Reise, den Verlauf und das Ziel (Landwasserviadukt) gesprochen. Auf dem Epidiaskop (Vorgänger des heutigen Projektors) wurden Bilder Gezeigt, wir durften Aufsätze und Berichte schreiben. Vor dem Tag X wussten alle über den detaillierten Ablauf Bescheid, unsere Köchin Liese gab mir am Vorabend einen Cervelat, einen Apfel, eine (zwei) Scheibe Brot und füllte eine Trinkflasche mit Tee. Am nächsten Morgen in aller Frühe füllte ich das ganze in einen Rucksack und marschierte damit zum Hauptbahnhof. Weil dieser noch ein rechtes Stück weiter entfernt war als das Schulhaus, musste ich den Weg ca ¾ Stunden vor der angegebenen Zeit antreten. Allmählich fanden sich die Kinder unserer Klasse ein (ich hatte wirklich den weitesten Weg), irgendwann stiess der Lehrer dazu. Als die ganze Klasse beisammen war, durften wir (wie gelernt) „einstehen“. Diese Ordnung war analog der Sitzordnung im Klassenzimmer, so konnte der Lehrer sich sofort einen Überblick verschaffen. Nachdem die Vollständigkeit festgestellt war, erfolgte eine kurz Instruktion. Auf Perron 5 (oder 4 ?) sollte der Zug mit dem reservierten Wagen eintreffen. Mit diesem ging es über Sargans nach Chur weiter, dort war ein Umstieg auf einen ebenfalls reservierten Wagen der RhB vorgesehen. Anschliessend würde das Postauto uns bis .....
So - und jetzt zu Poldi. Waisehüsler brauchen keine Schulreise. dä Poldi goht wieder hei is Waisehus go Chindli hüete. Damit's em nöd langwiilig wird, tuet er us em Zürcher-Rechnigsbüechli Siite 64 -bis 68 lööse und en Ufsatz schriibe. Er söll üs schriibe, wie er sich die Schuelreis vorstellt. (ich höre diese Sätze noch heute, diese nichtsnutze Kreatur positionierte sich damit weiter nach vorne auf der "Abschussliste")
aber eben, man musste vor der "Obrigkeit" Respekt haben
.
Zusammen gingen wir durch die Unterführung, die Klasse zum Perron 4 / 5, ich weiter Richtung Promenaden- / Müller-Friedberg- / Schönbrunnstrasse zum Schulhaus. Zwischen dem Schulhaus und dem Institut Stella-Maris befand sich eine grosse, ungenutzte Gartenanlage „Wehrle-Wildnis“. Auf diesem, von Stauden (mit und ohne Dornen) überwucherten Gelände hatten verschiedene Kinder ihre Treffpunkte. Einerseits waren da die Labyrinthe und „geheimen Höhlen“ der Mühletobel – Kinder, andererseits gab es auch sonstige „geheimen Orte“. Ich verkroch mich also an „unseren“ Ort. Wenn ich zurück ins Heim gegangen wäre, hätte mich sicher eine Strafe erwartet, ein Kind das von der Schule geschickt wurde, war immer im Fehler.Hinter meinem Sternum (Brustbein, dort wo die Rippen zusammenkommen und der Bauch beginnt) war ein unsäglicher Schmerz, ich wollte weinen, doch ich konnte nicht (dieses Gefühl habe ich später in sehr schweren Situationen wieder gespürt). Irgendwann habe ich mich an die Aufgaben gemacht, zu Essen hatte ich ja genug (der Cervelat schmeckte natürlich nicht gleich wie derjenige, welcher über dem Feuer gebraten ist). Gegen Abend, die Aufgaben waren soweit erledigt, der Proviant verspiesen, kehrte ich ins Heim zurück. Das Unterschreiben lassen der Aufgaben habe ich (aus gutem Grund) [bewusst] vergessen.(damit spielte dieser perfide Typ einmal mehr seine Macht aus, er wusste genau, was er damit im Heim erreichte). Nach einigen Tagen des „wieder vergessen“ musste die Unterschrift doch auf den Blättern sein (dazu hat man den „geeigneten Moment“ abgewartet).
Eine wahre Wohltat für diesen (primitiven) Lehrer war der Monat November. Dann mussten die Heimkinder jeweils in die frühen Rorate-Messen. Wenn der Seelsorger auch nur ein wenig länger machte, kam ich (und andere Katholiken) knapp, - oder eben zu spät zur Schule. Dieser evangelische Unmensch machte sich eine Freude daraus, mich blosszustellen und zu schikanieren. (ich brauchte einige Zeit, um die Assoziation Hans Forrer = evangelisch = primitiv = Sadist so aufzulösen, dass sowohl der Name, wie auch die Religion, wie auch der Rest je etwas Eigenständiges ist).
Gegen Ende der 6. Klasse fanden jeweils die berüchtigten Sekundarschulprüfungen statt, so auch bei uns.Deutsch, Schreiben, Rechnen, Zeichnen und was sonst noch dazu gehört, alle haben diese Aufgaben erhalten. Der Lehrer passte auf, dass auch niemand (der nicht durfte) abschrieb, dass bei zeitlich limitierten Vorgaben pünktlich abgegeben wurde. Einige Tage später, - nach den Kontrollen, - wurden die Resultate (jeweils ergänzt durch einen Kommentar) durch den Klassenlehrer ausgehändigt. Die Aushändigung erfolgte analog der Sitzordnung, zuerst die Reihe gleich an den Pult des Lehrers anschliessend hinauf, anschliessend diejenigen vis-a-vis hinunter, usw. Bis alle drei Tischreihen (total 9 Tische mit 4-er Bestuhlung) durch waren. Der 11-te Schüler (der Waisehüsler) wurde übersprungen, als die ganze Klasse die Resultate – einige sichtlich Enttäuscht – erhalten hatte, widmete sich der Lehrer dem „Übersprungenen“. Ohne mir das Prüfungsformular auszuhändigen (ich habe es bis heute nicht gesehen) erklärte er der ganzen Klasse: Waisehüsler ghöret nöd i d' Sek, die nämed dört nur andere dä Platz äwäg Er prophezeite mir allerdings eine Karriere als „Strossebutzer, so wie dä Globi“. „Globi“ war der Ruf- oder Schimpfname des Strassenwischers Rissi (?), ich erinnere mich, dass er immer irgendwelche Episoden über die Witzfigur Globi erzählte. Dieser „Rissi“ arbeitete beim Städtischen Bauamt, der Chef hiess Fux (Fuchs ?), wohnte an der Promenadenstrasse, der Bauamt - Werkhof befand sich an der Blumenstrasse.
Warum ich das erwähne, warum ich das weiss ?
Wenn gemäss der Prophezeiung des Klassenlehrers mein Daseinszweck im Reinigen von Strassen besteht, wollte ich dies jedoch gut machen, ich setzte mich mit der vorausgesagten Zukunft auseinander. Wie meinte Hans Forrer doch in seinem gespötte: "vilicht gsiemmer dä Poldi bim Stroosebutzä mit äm grosse Bäse und am Wage i dä Stadt, vilicht ... meist fand sich noch irgend ein passender Schluss. Auch diese Arbeiten müssen korrekt erledigt werden, denn Wer sich für kleine Arbeiten zu Gross hält, ist meist zu Klein für grosse Arbeiten (damit dürften einige Manager und Politiker abdanken !!) (ich habs nicht geschafft, ich bin kein Strassenwischer)



Geburtenkontrolle:

13.04.2011

Gott bewahre ! ich möchte hier sicher nicht über etwas berichten, was einige von uns lange Zeit beschäftigte, - erwähnt (und mit Worten meines heutigen Wissens geschildert) sei's trotzdem.
Auf der Südseite befanden sich ziemlich genau in der Hausmitte auf dem gepflasterten Weg 3 grosse Schachtdeckel (mit einem Ø von ca.je 120 cm) Von Neugierde getrieben haben einige diese Dinger etwas genauer inspiziert. Zum Gartenwerkzeug gehörten natürlich auch Locheisen und Pickel, mit diesen Werkzeugen konnten wir diese schweren Deckel öffnen „zum schauen was darunter ist.“ Es war nichts besonderes, sondern nur Scheisse. Mit dem heutigen Wissen erkläre ich das Ganze wie folgt: der linke, wie auch der rechte Schacht diente als „Scheissgrube“ für die jeweils drei Toiletten auf der jeweiligen Hausseite. Durch Syphon- und Überlaufpassagen gelangte „das Dünne“ in den mittleren Schacht. Von diesem floss „das ganz Dünne“ erneut durch einen Überlauf in die Kanalisation (und damit schlussendlich in den Bodensee).
Periodisch (so ca. alle Lichtjahre ein Mal) mussten mindestens die zwei Vorabscheider (der linke und der rechte Schacht), am besten gleich alle drei, entleert werden. Die angesammelten „Dickstoffe“ wurden durch eine Firma (Fehr, Kanalservice) mit einem Saugwagen entfernt. Obwohl dieses Prozedere für viele „gruusig“ war, man ging nahe hin um genau zu sehen, was da gemacht wird. (ich wusste nicht, dass diese Abscheider so tief sind, manchmal kamen Szenen mit einem Fall in eine solche Grube in meinen Träumen vor.) Nebst Papierfetzen (unser Toilettenpapier, allerdings gebraucht) konnte man in der von Luftblasen durchsetzten Dickschicht auch Kothaufen „Schiissgagel“ feststellen. Im westlichen Abscheider waren einige „weisse Hütchen“ ähnlich irgendwelchen Morchelpilzen zu sehen. Hätte uns der Arbeiter nicht mit seinem Geschimpfe darauf aufmerksam gemacht, - wir hätten das nicht weiter beachtet. Er fluchte über diese „Pariser“, - die Bauern, auf deren Land er den Saugwagen entleerte, würden sich jeweils bei solchen „Beigaben“ beschweren. (Der Kot und das Papier verrotteten, waren also Dünger, diese Gummiteile mussten jedoch wieder aus den Wiesen entfernt werden) „Pariser“ hiessen die Dinger, welche beim Coiffeur (Erne / i ?) unten an der Mariabergstrasse von Männern geholt wurden. Der Figaro (ein Italiener, welche soviel ich weiss später das Geschäft übernommen und weitergeführt hat) vollführte eine Art Tanz, wenn jemand, - während er einem von uns die Haare schnitt, - nach diesen „Parisern“ verlangte. Er legte die Utensilien zur Seite und holte aus einer unteren Schublade des Tresens ein kleines Päcklein (dieser Tresen schien auch eine Art Bibliothek zu sein. Nicht alle Männer, welche jeweils am Samstagnachmittag hereinkamen, wollten Haareschneiden oder Rasieren [wenige] oder „Pariser.[einige], sondern erhielten ein kleines Büchlein [auch einige] Als ich irgendwann warten musste, schaute sich der Mann neben mir dieses Büchlein an, - ich schielte hinüber. Aha, - so geht das was unter Schulkollegen und unter uns Kindern gemunkelt wurde. Dieser nette Coiffeur (er gab uns immer ein 5-er Päckli SUGUS oder einen BAZOOKA (Kaugummi) war für die Knaben, die Mädchen durften mit dem „Damensalon“ Truxius (?) vorlieb nehmen.
Ich wage es, zu behaupten:von uns hat niemand diese Pariser gekauft, die sind sicher nicht von uns ! :-o
Eigentlich wollte ich von etwas ganz Anderem berichten.
In jedes Haus gehört eine Katze oder zwei ;-), so hatten wir auch im Heim sicher mehr als eine. Als Kinder glaubten wir, dass die Schreie unserer Katzen im Frühling und im Herbst durch „Plageattacken“ der Kater („Räuel“, „Chäuder“), welche unsere armen Tiere plagen, verursacht würden (so wurde es uns vermittelt). Gemeinsam haben wir jeweils Jagd auf „Chäuder“ gemacht. Gegen die Überzahl von einem Dutzend Kinder war ein Kater häufig wehrlos. Der Gefangene wurde in die Waschküche gebracht und im Beisein von den Häschern zur Strafe in der wasserbetriebenen Schwinge (Schleuder) „bestraft“. Wenn der Wasserhahn wieder zugedreht und das arme Tier sichtlich benebelt von dannen zog, war unser Gerechtigkeitsgefühl in Ordnung.
Trotzdem warfen unsere Katzen regelmässig im Frühling wie im Herbst (meist im grossen Estrich) ihre Jungen.Sobald diese entdeckt waren, wurde eine Selektion gemacht. Die Nonnen vermittelten uns, dass dem Muttertier (mindestens) ein Junges belassen werden muss, die anderen wurden weggenommen und - genau wie die Schallplatten – mit voller Kraft (dann spüren sie keinen Schmerz) an der Schopfwand vom Diesseits ins Jenseits befördert. Natürlich waren die jüngeren Kinder nicht anwesend, sie wurden abgelenkt oder waren anderweitig beschäftigt. Anschliessend wurden auch „diese toten Tierli“ (wie jeder gefundene tote Vogel) meist von den Jüngeren zwischen der Mariengrotte und den Brombeerstauden „begraben“. Östlich der Pergola war eine Türe zum Einen der zwei Hünergehege, anschliessend stand dort eine mannshohe Grotte mit einer grossen Statue der Mutter Gottes. Nachher fanden sich bis zum Ende des Grundstückes sauber aufgebundene Brombeerstauden (noch heute erinnere ich mich an das gekratze beim schneiden und binden, "Dornenlose" gab's damals noch nicht) . In diesem Bereich sah man hin und wieder ein kleines Kreuzchen und frisch aufgeschütteten Humus. Diese kleinen „Gräber“ (10..15 x 10..20 cm) mit einem aus zwei – mit Grashalmen zu einem Kreuz gebundenen Zweiglein waren jeweils die letzte Ruhestätte eines toten Tieres. Einmal erzählte mir eine junge „Bestatterin“ am soeben fertiggestellten Grab, dass sie eine tote Schlange gefunden und diese nun beerdigt habe (es handelte sich übrigens um eine Blindschleiche).
Die gleiche Bestatterin konnte dann aber mit Eifer beim einfangen von „Werren“ (Maulwurfsgrillen), welche beim ernten oder um-stechen zu Tage kamen, mithelfen.Dass diese gefangenen Schädlinge am Schluss im Kübel mit kochendem Wasser übergossen wurden, wussten eigentlich alle (aber eben, diese Tiere waren Schädlinge).
Der vermittelte Wert und die Art sind für mich noch heute ok, die Achtung vor der Kreatur und das schmerzlose Töten (nach einem schönen Leben) lasse ich so stehen. extreme Tierschützer, vor allem der eigentlich längst ausgestorbeben Art Homo erectus, welche das Wohlergehen ihres „Fifi“ über das ihrer Kinder stellen, mögen mir (und denjenigen, welche mich erzogen haben, Nachsicht walten lassen. (In jener Zeit kannte man weder einen STV, einen E. Kessler, eine Katzenkastration, - ich behaupte, die Nonnen haben ziemlich „gut gehandelt“.

29.04.2011 Je Ranghöher, desto perverser
Leider vermochte ich die Prophezeiung des ehemaligen Lehrers Hans Forrer nicht zu erfüllen, ich schaffte es nicht, zur allgemeinen Belustigung als Strassenwischer im Bauamt Rorschach zu arbeiten. Um ehrlich zu sein, - ich habe mich nie um diese Stelle beworben – lange Zeit „pflegte“ ich (aus guten Gründen) eine gewisse Distanz zu Rorschach.
Zur Finanzierung des Studiums arbeitete ich vorwiegend in der Nacht, - am Wochenende auch während des Tages, - als Taxifahrer (nebst geistiger braucht der Mensch auch körperliche Nahrung, diese muss irgendwie bezahlt werden). In der Kantonshauptstadt mit ca. 70000 Einwohnern ist auch die Nacht nicht ganz ruhig. Unter der Woche, - vor allem aber an Wochenenden gab es doch einiges zu tun. Die Hektik des Tages, Verkehrsstaus, Wettlauf gegen die Zeit, gestresste Kundschaft und Anderes sagten mir weniger zu, die Nächte mit einer anderen Kundschaft und nicht gleichem Verkehrsablauf lagen mir eher.
Kurz vor oder nach Mitternacht wollten einige Kunden nach Hause oder sonst wohin gefahren werden, andere den letzten Zug erreichen, oder kamen mit diesem. In der (langen) Nacht, an Wochenenden (oder bei gewissen Konstellationen der Gestirne) waren öfters fast mehr Hinhören, Zuhören, Anteilnehmen, Beraten, Abraten oder Empfehlen als die Fahrdienste gefragt. Normale Leute, extravagante wie auch schräge Vögel, besonders vornehme, - kurz – ziemlich alles fand sich unter der (nicht immer einfachen) Kundschaft. Man durfte sich Freud und Leid, Glück und Frust der Fahrgäste anhören, erste Hilfe leisten (glücklicherweise habe ich mit der Taxiprüfung einen [damals nicht verlangten] Samariterkurs absolviert). Ob abgequetschte Hand, starke venöse Blutung oder beginnende Geburt, - die Patienten erreichten alle unversehrt das Spital, - notfalls fungiert das Taxi als Expresstransporter, trotzdem war sich der Fahrer auch bei höherer Geschwindigkeit (ggf. Innerorts über 100 km/h) seiner Verantwortung bewusst.
Dann gab es da noch „die spezielle Kundschaft“, - Klienten mit besonderen Veranlagungen, Vorlieben, Wünschen. Ich meine nicht die Leute, welche Morgens um 4:00 Uhr vom Taxiservice Nachschub für die Hausbar verlangen. Solche Wünsche konnten meist (wenn nicht ganz ausgefallene Spirituosen gefragt waren) erfüllt werden, ebenso liessen sich irgendwelche Gäste zur Befriedigung fleischlicher Genüsse herbeischaffen.
Damit kommen wir dem Titel – Thema etwas näher.
Zu meiner Stammkundschaft zählte (nebst vielen Anderen) ein spezieller „Professor“, zumindest wurde er so benannt. Josef Baumberger, alias „Sexprofessor“ wagte es, in der katholischen Kantonshauptstadt zuerst einen, später weitere Erotikshops zu eröffnen. Schon nach wenigen Fahrten wollte Josef eine Visitenkarte, “damit er mich jeweils verlangen kann“. Er erhielt die entsprechenden Angaben, konnte also fortan mich oder meinen Kollegen Romi, mit welchem Fahrgäste abgetauscht wurden, oder sonst jemanden, verlangen. Obwohl ich Josef ziemlich schnell zu verstehen gab, dass ich mich eher am anderen, denn am gleichen Geschlecht orientiere, blieb er mir als Fahrgast treu. Er unterliess seine Annäherungsversuche und wollte mich stattdessen als Statist für seine „Filmagentur“ gewinnen. All die Versprechen, die Fotos der weiblichen Modelle (sorry Josef, diese und diese und die und.. kenne ich, sind zum Teil auch Stammkundinnen, welche ihren Lebensunterhalt horizontal bestreiten) vermochten mich selbst gegen die zugesagte gute Bezahlung nicht zu überzeugen.
Da war noch ein Problem:
In der Boutique Venus (Josef's Erotikladen an der Linsenbühlstrasse) verlangten Kunden manchmal nach „speziellerem“. Filme dieser Art waren (und sind auch Heute noch) absolut verboten. Josef fragte mich, ob ich mir einen „Zustupf“ verdienen möchte. Es ging darum, bestimmte Filme, - entsprechend den Kundenwünschen zu beschaffen. Eine Firma in Dänemark (Strandloswe...) hatte ziemlich alles gewünschte im Angebot. Josef übermittelte mir also die Bestellung (xx Mal mit Tieren, xx Mal mit Kindern, xx Mal mit kleinen Mädchen, xx Mal mit extremer Brutalität oder Mord, xx Mal ...) ich fuhr alleine [oder mit Begleitung] nach Dänemark, postete das verlangte und fuhr zurück Richtung Schweiz. Wenn ich alleine unterwegs war, wurde die ganze Ladung in Konstanz (D) in ein Schliessfach gelegt, ansonsten im Sportcoupe auf der Rückbank unter einer Wolldecke verstaut. Im „Allein-“Fall ging's bei nächster Gelegenheit mit einer (oder zwei) „Kolleginnen“ für einen Kurztripp nach Konstanz, das Material wurde eingeladen.
In jedem Fall durfte ein Kurzbesuch im offiziellen Erotikcenter in Konstanz (Kleinparadies) nicht fehlen, dort wurden jeweils Prospekte von Pornofilmen (welche in der biederen Schweiz nicht erhältlich waren) geholt.
Im (bei schönem Wetter offenen) Sportcoupe, begleitet von einem oder zwei "attraktiven" Girls ging's Richtung Grenzübergang. Dienstbefliessen erkundigte sich der Zöllner über irgendwelche Waren, - wie geheissen begann die Begleitung zu kichern, während ich über unseren „Informationsausflug“ berichtete und dabei den Prospekt zeigte. Der Grenzwächter studierte diesen, wies mich auf alle verbotenen Filme hin (wobei ich den Ahnungslosen mimte) und wünschte anschliessend „gute Fahrt“.
Kaum recht auf schweizer Gebiet hätte ich die (manchmal) neben mir sitzende Edi.. oder die (manchmal) hinten sitzende Ros.... Sch. umarmen können, das Rollenspiel war gut, viele Kunden von „Sexprofessor“ konnten mit diesem Transport sicher befriedigt werden.
So fuhren wir denn Richtung Hauptstadt, aus einer Telefonzelle in einer Vorortgemeinde rief ich Josef an (damals gab es noch kein Handy), er beorderte mich in seine Wohnung. Weil sein Laden häufig von der Polizei Razzia-mässig kontrolliert wurde, wickelte Josef „delikate Geschäfte“ nicht über sein Geschäft ab. So trafen wir uns denn kurze Zeit später (die Girls habe ich zwischenzeitlich ausgeladen) in seiner Wohnung (oberhalb des Pubs). Nach der „Eingangskontrolle“ wurde das Material „verräumt“. Im Kochherd befand sich unterhalb des Backofens eine Schublade, wenn diese komplett herausgezogen wurde, zeigte sich ein gutes Versteck, - damit war Josef auch bei Razzien ziemlich sicher. Sofort nahm er seine kleine schwarze Taschenagenda zur Hand und begann einen um den anderen seiner Klienten zu informieren. Einige wollten das Material in der Boutique abholen, andere vereinbarten einen Übergabetermin in einem Lokal (bevorzugt waren Lokale, in denen der „Sexprofessor“ verkehrte (z.B. Club 1910, Max&Moritz, Rendez vous, etc.). Ganz speziell waren die Kunden, welche ihre Bestellung nach einer Vorführung bezogen. In (vorwiegend) gehobenen Lokalen (zwischen Wil und Buchs) wurden jeweils „im Säali“ Filme eines gewissen Genres gezeigt, wer Interesse hatte, konnte seine Bestellung platzieren.
Josefs Kladde war ein wahres „Who is Who“, all die Namen, viele waren mir bekannt einige lernte ich erst später zuzuordnen , vom „einfachen“ Beamten bis zu „Leuten aus der Regierung“, selbst Namen ehemaliger Schänder fanden sich darunter.
ok contininue, fuck me again.
Ja, ich habe hier mitgemacht, - der Anfangslohn war bescheiden (Einstandspreis in DKR zum Tageskurs plus eine Entschädigung „für die Fahrt“), bei der zweiten Fahrt habe ich die (Handgeschriebenen) Preisschilder der Filme „angepasst“ (das Risiko lastete nur auf mir, damit war es etwas „gemildert“ noch immer waren die Profite des Verkäufers extrem).Ich kannte damals absolut nichts ausserhalb der normalen hetero- oder homo – sexualität mit vielen ihrer Formen. Irgendwann in dieser Zeit hat sich eine damalige Freundin einen dieser Filme angeschaut (eine Szene mit Mehrfachvergewaltigung und anschliessendem Mord) sie fand das zum KOTZEN (ich habe diese Filme nie „studiert“), ich entschied mich für die Freundin und habe mit dem Zusatzjob sofort gestoppt
(arme Beamte, arme Politiker, leider existiert das Kinderheim in Rorschach nicht mehr, im Birnbäumen stehen auch keine „kleinen Mädchen“ mehr zur Verfügung, einige andere Quellen sind auch versiegt), wollt ihr uns weiter.schänden, oder wollt ihr die Namen neuer Opfer?
Damn, your own fuck Name you can reed soon here
euren verdammten scheiss- oder dreck- Namen könnt ihr demnächst hier lesen

informiert eure Sippe über eure Präferenzen /Perversitäten, kauft euch gegebenenfalls einen Strick und -> tut was sich gehört (all die ranghohen Militärs: benutzt bitte nicht die Dienstwaffe, das heizt ein anderes politisches Problem erneut an)
(der Druck eurer ehemaligen Opfer ist gross, „wir arbeiten daran" (© TOYOTA)

09.05.2011Unglücksfälle und Verbrechen
Auch in der Waisenhaus - / Kinderheim – Zeit passierte hin und wieder ein Unfall.
Während der Nonnenära (als noch körperliche Arbeit und Betätigung ein gewisser Teil der Freizeit einnahm) waren Blessuren, Wunden und Verletzungen häufiger.
In der Tanti – Zeit (mit ruhigem, [Pseudo-] kreativem Zeitvertreib und [fast 100 %] unterdrückter Eigeninitiative) kamen Gott sei Dank fast keine körperlichen Verletzungen mehr vor.
Das stimmt wirklich, die gefährlichen Dinge und Unternehmungen wurden nicht mehr ausgeführt, die „Tanzaffen“ wurden mit ruhigeren Aktivitäten beschäftigt. Tanti dachte, - die Erzieherinnen (Fräuleins) hatten das Besprochene in ihren Gruppen umzusetzen. Schöne Bastelarbeiten, Collagen, Mobiles, etc. wurden in den Korridoren und den „öffentlichen Räumen“ ausgestellt, manche gar für Wohltätigkeitsbazars (mit entsprechendem Hinweis / Vermerk) gespendet . Anhand des Resultates wurden die Fräuleins (am Abend, wenn die Kinder im Bett waren) in deren Gemeinschaftsraum entsprechend gelobt oder getadelt.
Die Kinder erlitten jedoch nicht weniger Verletzungen, im Gegenteil. Körperlich unversehrt, adrett gekleidet, (auf Befehl) lächelnd, anständig und lieb, sah niemand in die Herzen und die Seelen. Diese wiesen zum Teil grosse Verletzungen auf, nur waren diese nicht mehr sichtbar.
In der oberen, südwestlichen Gartenecke, dort wo der Waisenhausweg in die Goldacherstrasse mündet, befand sich bis anfangs 60-er Jahre ein grosser achteckiger Pavillon aus Holz. Solche Bauten findet man manchmal in Gärten von Villen. Vermutlich in Folge mangelnder Pflege oder zu viel Reparaturaufwand wurde durch die Nonnen angeordnet, diese Gartenlaube abzubrechen. Mit vereinten Kräften, Beilen und Hämmern wurde diese Baute zerlegt, die einzelnen Elemente wurden an den Feuerplatz gebracht.
Wir hatten im hinteren Teil des Gartens, unterhalb der Brombeeren eine grosse, im Hang eingelassene, gemauerte Feuerstelle. In dieser ca. 3 x 1,5 Meter grossen Nische wurden brennbare Abfälle (Holz, Baum- und Gehölzschnitt, schlechtes Heu, usw.) entsorgt.
Beim „Abbruch“, wie auch beim Transport waren manche Blessuren zu versorgen, Verletzungen durch Hammer- oder Axtschläge kamen vor, auch ein Fuss musste, - nachdem er auf einen (rostigen) Nagel getreten war, - verarztet werden. All dies wurde intern erledigt, hier ein Pflaster, da ein Verband, der Fuss verlangte etwas mehr Pflege, Desinfektion und Kamillenbäder waren hier gefragt.
Starrkrampf ??, Blutvergiftung ?? Unbekannt, Die Wundversorgung durch die Nonnen (und deren Gebete) reichten meist, wir wussten, „dass man bei einer grösseren Verletzung die Adern beobachten muss.“ Sollten sich dunkle.Striche entwickeln, hätte man dies zu melden. Mir ist kein Fall von Komplikationen bekannt, alle lokal versorgten Blessuren verheilten ohne bleibende Schäden.
Ein kleines (ca. 4-jähriges) Mädchen und ein Knabe spielten im ziemlich grossen (ca. 2,5 x 2,5 m) Sandkasten. Aus irgendwelchen Gründen entbrannte zwischen den zwei Kindern ein Streit. Das Mädchen nahm das „Häckeli“ (kleine Handhacke, auf einer Seite ein Blatt, auf der anderen Seite zwei Spitzen) und schlug dieses mit der Spitzenseite dem knapp 2 Jahre älteren Knaben auf den Kopf. Anhand der Wunde müsste man korrekt sagen, „in den Schädel“, das Wundbild zeigte zwei deutliche Löcher. Auch diese Wunde wurde „fachmännisch“ versorgt (Haare im Wundbereich wegrasieren, Wunde desinfizieren, abkleben, verbinden, ruhigstellen des Patienten und häufige Kontrolle.)
Die Feuerstelle war auch Anlass für den nächsten grösseren Unfall.
Wo man hinschaute, wurde gebaut. Anfangs 60 – er Jahre wurden auf jeder freien Fläche Wohnblöcke hingestellt. Auf der Wiese zwischen dem Waisenhaus und der Stadtgärtnerei Fitze war ein Block im Bau, das ganze Schurtannenquartier entstand neu. Sowohl die bauerei, als auch die Materialien waren interessant. Um diese Neubauten lagen viele orange Plastikrohrstücke, es waren die Abfälle der Elektroinstallationen. Bevor diese dem Feuer der Baustelle (früher wurden alle brennbaren Abfälle auf der Baustelle verbrannt) zum Opfer fielen, nahmen wir solche mit. Genügend lange konnten – wie ein Lasso geschwungen – als sirrendes Instrument dienen, aus kürzeren liessen sich (wenn man auf der Baustelle die kleinen Röhrchen fand) Hulla-Hopp -Reifen machen. Wer genügend Puste hatte, konnte diesen Rohrstücken auch Töne entlocken.
Wieder einmal brannte unser Abfallfeuer lichterloh, als ein Knabe auf die Idee kam, das Ende eines orangen Rohres anzuzünden. Das Material (PP / Polypropylen) fing schnell Feuer und brannte unter Tropfenbildung selbständig weiter. In grossen kreisenden Bewegungen schwang der Bube das brennende Rohr mit seinen Armen (wie ein bengalisches Hölzchen), bis es ihm entglitt. Genau in Flugrichtung stand ein Mädchen, das brennende Kunststoffrohr traf sie am Oberarm, blieb dort kleben und brannte weiter. Alle waren geschockt, bis jemand das Rohrstück am nicht brennenden Ende ergriff und entfernte, erlitt die getroffene gewaltige Qualen. Auch nachher schmerzte die Brandstelle noch immer extrem, der noch immer klebende Plastik blieb noch lange heiss.
Dies war ein Fall für's Spital, die Wundversorgung war doch etwas komplexer.
In knapp zehn Minuten erreichten wir zu Fuss das Spital Rorschach. Normalerweise brachten wir aus unserem grossen Garten Gemüse oder Früchte dort hin. In vielen Funktionen (von der Küche über die Erstversorgung bis zum Operationssaal) arbeiteten im Spital auch Nonnen aus dem gleichen Mutterhaus (Ingenbohl), man kannte sich, man half sich aus.
Selten waren wir auf Dienste der „Spitalnonnen“ angewiesen.
Eine andere „Spitalkandidatin war Irma, sie rutschte derart unglücklich vom Mauersockel, dass sich eine Spitze des Spitzenzauns (direkt beim Muskel) in ihren Oberarm bohrte. Auch hier wurde das Opfer ins Spital begleitet.
Den längsten Spitalaufenhalt hatte Poldi. Im Oktober 64 wurde die Goldacherstrasse im Bereich des Friedhofes saniert, das Trottoir und die Fahrbahn wurden Asphaltiert. Die Fussgänger mussten die Strasse benutzen, den (damals wenigen) Autofahrern stand nur eine Spur zur Verfügung. Nach dem Mittag, auf dem Weg zur Schule wurde Poldi in diesem Teilstück angefahren. Er stand wieder auf und wollte weitergehen („harte Siech“), stürzte erneut. Die Fahrerin sah dies, hielt an und ein Arbeiter legte den verwundeten Knaben (er blutete am linken Knöchel und aus dem Bein ragten Knochen) auf einer Decke auf den Rücksitz von deren Wagen. Sie fuhr mit dem Unfallopfer ins Spital und lieferte dieses dort ab. Stabilisieren mit Kirschenstein – (oder Sand-) säcklein, röntgen, narkotisieren, OP. Irgendwie war die Narkose zu schwach, der Verunfallte erinnert sich ziemlich genau an die Schrauben und Nägel, welche „verbaut“ wurden, das einweichen der Gipsverbandrollen und das anschliessende umwickeln mit Schaumstoff und mit dem Gipsverband. Sieben unendliche Wochen später (kurz vor Weihnachten) wurde endlich der Gips entfernt. Das merklich dünnere Bein durfte erste Bewegungen versuchen (sehr schmerzhaft). Im anschliessenden Bad waren die Bewegungen schon ein bisschen weniger schmerzhaft. Nach der Entlassung war schonendes Mobilisieren angebracht. Das Bein funktioniert seit dieser Zeit wie zuvor, der Klassenlehrer hat im Zeugnis (mit Freude, eventuell einer pfeiffen Steife)eine Schulabsenz von 49 Schultagen notiert. Dieser Poldi war also 7 Wochen langim Spital (heute würde eine offene doppelte Fraktur eventuell früher entlassen).
„Kleinere“ Vorfälle wurden praktisch immer „in House“ erledigt. An einem Spieltag (kann also nur Mittwoch- oder Samstag – Nachmittag oder Ferien gewesen sein) stürzte Walter derart unglücklich einen Abhang hinunter und schlug mit dem Kopf auf einen Sockel auf, dass wir ihn zurücktragen mussten. Auf seiner Stirn entwickelte sich in kurzer Zeit eine riesige Beule, die Haut sah eher geschürft aus und blutete nur wenig. (Heute würde man von einer schweren Gehirnerschütterung commotio cerebri sprechen). Mit einem flachen, kühlen Gegenstand (in diesem Fall Unterteller) wurde „das Horn“ behandelt (Aufpressen eines Gegenstandes, bekannt als „Füfliebertick“). Dieser Unfall ereignete sich im Wald unterhalb des Wannenweihers.
Ein gutes Wegstück oberhalb des Kreuzackers befand sich ein Stauweiher, - eben dieser Wannenweiher. Mit einem Wehr konnte der Ausfluss so gesteuert werden, dass in der Druckröhre, welche im nahen Wald steil nach Rorschach führte, nur diejenige Wassermenge floss, welche benötigt wurde. Entlang dieses Rohres führte unser Weg steil nach oben oder nach unten, am Fuss der Leitung befand sich der letzte Sockel, einige Schritte nördlich fanden wir uns schon fast zu Hause. Der Wannenweiher gehörte zusammen mit dem Seminarweiher und dem Stockerweiher zu einem Verbund, welcher die Wasserkraft nutzbar machte. Es war das städtische Elektrizitätswerk, welches an der Schulstrasse sehr lange einen Generator besass, dieser wurde aus dem Stockerweiher über eine Rohrleitung, welche durch den ehemaligen Steinbruch führte, gespiesen. Andererseits wies die Feldmühle als Grossindustrie einen riesigen Wasserverbrauch auf.
Rückblickend attestiere ich: wir waren „huere harti Sieche“, standen dem Wagemut und den Aktivitäten unserer Schulkameraden in nichts nach. Auch wir unternahmen Mutproben, hatten Kampfspuren, - in der Nonnenzeit „ganz normale Kinderaktivitäten“.
Wagemutige haben den Sprung vom Schopfdach gewagt (ca. 5 m auf Hartplatz), das hochklettern entlang dem Fallrohr des Dachkännels mindestens bis zum WC vom Erdgeschoss war „Einsteigertest“, zum WC des ersten Obergeschosses galt als „bestanden“, ganz nach oben war nicht gefragt, - galt als Gott versucht. Das Verlassen (oder Betreten) des Hauses über eine der zwei westseitlichen Zedern, mit übersteigen des Vordaches war für viele absolut kein Problem. Wenn man kein Mädchen war, befand man sich dann zwar auf der falschen Abteilung, - wenn man es aber bis hierher geschafft hatte, war der Rest kein Problem mehr. Es soll vorgekommen sein, dass sich Kinder (im konkreten Fall ein Mädchen) bei solchen Eskapaden durch Sturz ernsthaft verletzten.

In der Einleitung habe ich Euch eingeladen, aktiv mitzumachen "Anregungen sind willkommen"
Macht mit Euren Meldungen weiter so, ich berichte gerne „über alte Zeiten“, - oder schreibt doch selbst etwas - so wie Ihr es empfunden habt, - aus Eurer Sicht.


bis zum nächsten Begriff / Stichwort !

INFORMATION
Walter Emmisberger (ehemaliger Zögling im Birnbäumen St. Gallen) hat am Samstag 25.ab 16:00 und Sonntag 26.ab 09:00 Juni in Fehraltorf eine Ausstellung / Information organisiert. Wer sich dafür interessiert, sich Austauschen oder Diskutieren, andere Betroffene kennen lernen oder mit dem "Aufarbeiter" (Dr. Thomas Huonker, Historiker) kontakt haben will, ist sicher herzlich willkommen. Weitere Info / Anmeldung unter:http://www.facebook.com/group.php?gid=135460983137785
Ich versuche wenn möglich, dort zu sein, würde mich freuen, einige ehemalige zu sehen.
26. 06. 2011
Ich war dort, Walter, das hast Du sehr gut gemacht. ****
Zuletzt geändert von poldi am So 26. Jun 2011, 12:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: zwischen "einigermassen fürsorglich" und "Fertigmachen"

Beitragvon nenox » Fr 24. Jun 2011, 08:51

Hallo Ihr!

Wenn ich das so lese..aiaiai das sind ja Horrorgeschichten :)

Ich war von 1974-1980 im Kinderheim bei Tanti, mir hat es immer gefallen, natürlich hat man Vater und Mutter vermisst, die konnte man auch am Wochenende besuchen. Ist natürlich nie das gleiche wie wenn man bei Vater und Mutter aufwächst. Aber wir hatten es schön, wenn man sich benommen hatte. Schläge oder so gab es bei uns nicht, ich glaube vor meiner Zeit was das Waisenhaus wirklich ein Horror.

Viele die da waren, wollen einfach nur vergessen, ich gehe ab und zu noch nach Rorschach, stehe vor der grossen Spielwiese (die keine mehr ist) und denke an die alten Zeiten :)

Ich war mit meiner Schwester im Kinderheim, sie hat das ganze auch nicht so gut verarbeitet wie ich. Besuchten das Tanti aber regelmässig, die ja leider vor 2 oder 3 Jahren verstorben ist.
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Re: zwischen "einigermassen fürsorglich" und "Fertigmachen"

Beitragvon poldi » So 26. Jun 2011, 11:48

Hallo "nenox" ;-)
es freut mich (und ich bin nicht der Einzige), zu lesen, dass es Dir im Heim bei Tanti gefallen hat.
Aber, - was lesen wir einen Satz weiter unten ?
Ich war mit meiner Schwester im Kinderheim, sie hat das ganze auch nicht so gut verarbeitet wie ich.

Du, bzw. Ihr ward ab 1974 im Heim.
Das "gröbste" mit der Umstellung war schon lange vorbei.
Die Sensibilisierung der Aussenstehenden liess nicht mehr "alles zu".
Franz Röllin war entweder nur noch kurz zuständig, oder "wütete" (wirkte) schon im aargauischen. Sicher kennst Du seine nächtlichen Weckmanöver mit anschliessendem "Treppenhetzen" nicht. Du hast nie erlebt, wie er einzelne Kinder das Treppenhaus rauf und runter hetzte (er stand unten und rief im Befehlshaberton die Kommandos. (ja, ich weiss, so wurden unter Adolf und auch im Militär Leute gefügig gemacht, deren Wille gebrochen).
Wie Du weiter schreibst, konntet Ihr am Wochenende Mutter und Vater besuchen. Das Heim war also für Euch ein Wochenaufenthalt / Krippenplatz (andere Kinder hat Tanti ja eigentlich auch nicht mehr gewollt).
Das Haus hatte in Deiner Zeit die Funktion als Waisenhaus / Kinderheim schon lange geändert. Die ehemaligen Halb- oder Vollwaisen wurden ebenso wie die Kinder lediger Mütter, zerrütteter Ehen, "krimineller" (über diese teilweise willkürlichen Definitionen liesse sich ein eigener Artikel schreiben) Elternteile oder sonstiger "Problemfälle" von Tanti kaum mehr (nicht mehr) aufgenommen, diese verschwanden in anderen Institutionen.

Auch Dir weiterhin alles Gute, schau auf das positive zurück. Wenn Du kannst, teile aber auch das negative mit (so ähnlich funktioniert die Evolution - verhindern, dass sich das Negative wiederholt).
poldi
 
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