Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Zürich, Mütter- und Säuglingsheim Inselhof

Zürich, Mütter- und Säuglingsheim Inselhof

Beitragvon Meitli68 » Fr 31. Mai 2013, 21:07

Die Geschichte des Vereins Mütter- und Säuglingsheim Inselhof in Zürich ist im Buch "Himmelblau und Rosarot" von Verena Naegele sehr gut dokumentiert. Dieses Säuglingsheim war - im 20. Jahrhundert - vorbildlich geführt, im Vergleich zu den meisten andern Heimen in der Schweiz.
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Re: Zürich, Mütter- und Säuglingsheim Inselhof

Beitragvon Ela1967 » Di 31. Dez 2013, 21:36

Wie schon erwähnt wurde das Säuglingsheim Inselhof für die späten 60Jahre vorbildlich geführt.Man sollte aber bedenken,was damals als vorbildlich betrachtet wurde,ist es heute keineswegs mehr.
Frau Dr.Marie Meierhofer belegte eindrücklich mit Ihren Studien,welche auch hier bei den Videos anschaubar sind,wie sich das damalige Kindswohlverständnis effektiv schädlich auf die Kindsentwicklung auswirkte.
Meine Mutter brachte mich in diesem Säuglingsheim 1967 zur Welt.Man glaubt es kaum,doch auch noch zu diesem Zeitpunkt wurden die Wöchnerinnen "bearbeitet" ihre Babys zur Adoption freizugeben.Es gab keine Unterstützung für Alleinerziehende,sodass es nicht viel Druck brauchte,die Wöchnerinnen davon zu überzeugen,dass ihre Kinder bei anderen Eltern eine bessere Zukunft erwartet.Ich wage dies zu bezweifeln und befürchte dass dies bei den meisten Kindern welche so im Säuglingsheim zurückgelassen wurden eine Heimkarriere einläutete.Auf dem Videomaterial von Dr.M.Meierhofer zeigt sich deutlich was mit der damaligen hygienischen Fürsorge an Säuglingen und Kleinkindern alles falsch gemacht wurde und den Begriff Hospitalismus erklärt.Die vielen Neugeborenen wurden von zu wenigen Betreuerinnen wie am Laufband mechanisch und ohne Zuwendung im Stundentakt gewickelt und gefüttert.Die Babys und Kleinkinder wurden nach diesen grundlegenden Verrichtungen stundenlang ins Bettchen festgebunden und sich selbst überlassen.Die Kinder fallen alle mit stereotypen,sich wiederholenden Bewegungsabläufen auf.Die einen weinen nur,andere resignieren apathisch.Ich komme nicht darum herum,Parallelen zu den schockierenden Bildern der Kinderheime Rumäniens bei Sturze Ceausecu,zu bemerken.Einziger Unterschied,in Zürich wurden die Kinder steril sauber gehalten und medizinisch gut versorgt.Über ihre psychische Entwicklung schien man sich damals tatsächlich keine grossen Gedanken zu machen.
Wieviele dieser Kinder wurden trotz ihrer Verhaltensauffälligkeiten tatsächlich noch adoptiert?Auch ich bin heute eine alleinerziehende Mutter und begegne noch ab und zu den antiquirierten Vorstellungen,als Alleinerziehende per se deffizitär zu sein.Zwischen der damaligen Situation meiner Mutter und der meinigen liegen 46Jahre.Dennoch bin ich sehr dankbar dafür,dass ich nicht 10Jahre früher im Heim für gefallene Mädchen,dem Inselhof zur Welt kam.Die Kinder jener Zeit und früher wurden dann auch ganz unzimperlich auf Bauernhöfen zu "Pflege" gegeben.
Leider war es bis vor jüngster Zeit noch jedem Laien möglich als Vormund zu arbeiten,sodass es keine Kontrolle darüber gab mit welchen moralischen oder religiösen Gedankengut solche Vormunde,die ihnen anvertrauten Mündel platzierten.In meinem Fall bedeutete das,mit erst 13Jahren adoptiert worden zu sein.Die Erfahrung zeitlebens unerwünscht und nicht gut genug zu sein,veranlasste mich mit 16 Jahren meine Adoptiveltern zu verlassen.Der Weg war steinig und dennoch bin ich froh,nie ein Verdingkind gewesen zu sein,wie mein Vater.Ich habe ihn erst vor Kurzem gefunden,nachdem die Behörden nach Jahrzehnten endlich den Zugang zu meinen Akten(bergen)freigaben.Die Lebenserfahrung ein unerwünschtes Kind zu sein,blieb somit in der Familie.Beide mal von Amtes wegen korrekt.
Ela1967
 
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Re: Zürich, Mütter- und Säuglingsheim Inselhof ich wurde 19

Beitragvon dorahintermann » Di 27. Mär 2018, 07:50

Ela1967 hat geschrieben:Wie schon erwähnt wurde das Säuglingsheim Inselhof für die späten 60Jahre vorbildlich geführt.Man sollte aber bedenken,was damals als vorbildlich betrachtet wurde,ist es heute keineswegs mehr.
Frau Dr.Marie Meierhofer belegte eindrücklich mit Ihren Studien,welche auch hier bei den Videos anschaubar sind,wie sich das damalige Kindswohlverständnis effektiv schädlich auf die Kindsentwicklung auswirkte.
Meine Mutter brachte mich in diesem Säuglingsheim 1967 zur Welt.Man glaubt es kaum,doch auch noch zu diesem Zeitpunkt wurden die Wöchnerinnen "bearbeitet" ihre Babys zur Adoption freizugeben.Es gab keine Unterstützung für Alleinerziehende,sodass es nicht viel Druck brauchte,die Wöchnerinnen davon zu überzeugen,dass ihre Kinder bei anderen Eltern eine bessere Zukunft erwartet.Ich wage dies zu bezweifeln und befürchte dass dies bei den meisten Kindern welche so im Säuglingsheim zurückgelassen wurden eine Heimkarriere einläutete.Auf dem Videomaterial von Dr.M.Meierhofer zeigt sich deutlich was mit der damaligen hygienischen Fürsorge an Säuglingen und Kleinkindern alles falsch gemacht wurde und den Begriff Hospitalismus erklärt.Die vielen Neugeborenen wurden von zu wenigen Betreuerinnen wie am Laufband mechanisch und ohne Zuwendung im Stundentakt gewickelt und gefüttert.Die Babys und Kleinkinder wurden nach diesen grundlegenden Verrichtungen stundenlang ins Bettchen festgebunden und sich selbst überlassen.Die Kinder fallen alle mit stereotypen,sich wiederholenden Bewegungsabläufen auf.Die einen weinen nur,andere resignieren apathisch.Ich komme nicht darum herum,Parallelen zu den schockierenden Bildern der Kinderheime Rumäniens bei Sturze Ceausecu,zu bemerken.Einziger Unterschied,in Zürich wurden die Kinder steril sauber gehalten und medizinisch gut versorgt.Über ihre psychische Entwicklung schien man sich damals tatsächlich keine grossen Gedanken zu machen.
Wieviele dieser Kinder wurden trotz ihrer Verhaltensauffälligkeiten tatsächlich noch adoptiert?Auch ich bin heute eine alleinerziehende Mutter und begegne noch ab und zu den antiquirierten Vorstellungen,als Alleinerziehende per se deffizitär zu sein.Zwischen der damaligen Situation meiner Mutter und der meinigen liegen 46Jahre.Dennoch bin ich sehr dankbar dafür,dass ich nicht 10Jahre früher im Heim für gefallene Mädchen,dem Inselhof zur Welt kam.Die Kinder jener Zeit und früher wurden dann auch ganz unzimperlich auf Bauernhöfen zu "Pflege" gegeben.
Leider war es bis vor jüngster Zeit noch jedem Laien möglich als Vormund zu arbeiten,sodass es keine Kontrolle darüber gab mit welchen moralischen oder religiösen Gedankengut solche Vormunde,die ihnen anvertrauten Mündel platzierten.In meinem Fall bedeutete das,mit erst 13Jahren adoptiert worden zu sein.Die Erfahrung zeitlebens unerwünscht und nicht gut genug zu sein,veranlasste mich mit 16 Jahren meine Adoptiveltern zu verlassen.Der Weg war steinig und dennoch bin ich froh,nie ein Verdingkind gewesen zu sein,wie mein Vater.Ich habe ihn erst vor Kurzem gefunden,nachdem die Behörden nach Jahrzehnten endlich den Zugang zu meinen Akten(bergen)freigaben.Die Lebenserfahrung ein unerwünschtes Kind zu sein,blieb somit in der Familie.Beide mal von Amtes wegen korrekt.
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Re: Zürich, Mütter- und Säuglingsheim Inselhof

Beitragvon dorahintermann » Di 27. Mär 2018, 07:54

Mit 18 jahren dorthin verfrachtet worden 1974 drei monate lang auf mich eingedredet mei Kind zur Adoption frei zu geben. 18 Mai bekam ich Wehen Hebamme hat gesagt rein ist es ja auch gegangen. Soll nicht so blöd tun. Schreckliche Geburt. Milch abgestellt das ich mein Kind nicht stillen konnte nach fünf Tagen haben sie es mir einfach weggenommen.ich musste den ganzen Tag in der Wäscherei arbeiten bis zum Tag der Geburt.
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