Kinderheime in der Schweiz Historische Aufarbeitung

unter Einbezug von Berichten ehemaliger Heimkinder, Zeitzeugen, Akten, Bildquellen und Literatur. Ein Projekt der Guido-Fluri-Stiftung. Projektleitung: Dr. Thomas Huonker

Kinderheim Gais AR 1964

Kinderheim Gais AR 1964

Beitragvon Kenia54 » Mo 27. Mai 2013, 20:58

Ca. 1964 musste ich als 6jähriges Kind wegen starker Bronchitis in ein Kinderheim in Gais zur Kur. Ich machte traumautische Erfahrungen dort. Mich interessiert, ob sich auch andere Personen daran erinnern, die auch schlimme Erfahrungen dort erlitten haben? Dieses Heim existiert in dieser Form heute nicht mehr.
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Re: Kinderheim Gais AR 1964

Beitragvon female34 » Mo 27. Jan 2014, 14:33

Hallo
Ohhhhh JAAA, da könnte ich ein Buch drüber schreiben. Heute würde ein solches Kinderheim SOFORT schliessen müssen.

Ich war 1973 dort....und habe jahrelang traumatische Erinnerungen daran gehabt.
Ich bin sogar einmal vor Jahren in dieses ehem. Kinderheim nach Gais gefahren und die sehr nette Leiterin des heutigen Heimes (Ist heute eine Art Mutterhaus) hat mir gesagt, dass SEHR viele Leute immer wieder dort hinkommen um vergangene "Leiden" aufzuarbeiten.
Eigentlich müsste man die Heimleiterinnen von damals suchen und zur Rede stellen....
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Re: Kinderheim Gais AR 1964

Beitragvon MayaHausherr1963 » Di 23. Jun 2015, 18:44

.. Ich war ungefähr im Jahr 1966/1967 in Gais. Ich muss damals zwischen 3 bis 4 Jahre alt gewesen sein. Angeblich wurde ich auch aufgrund einer immer wieder kehrenden Bronchitis dort hin gebracht. Unverständlich für mich, dass Eltern ihre Kinder in fremde Obhut geben können. Es waren sehr traumatische Erlebnisse. Da ich ein sehr störrisches Kind war, wurden mir Beruhigungsspritzen verabreicht. Ich habe daher viele Lücken in den Erinnerungen. Aber es war die Hölle. Zwei bis drei Erlebnisse sind mir bis heute geblieben. Die werde ich nie mehr vergessen, obwohl ich noch so klein war. Ich war für etwa 3-4 Monate dort. Genau weiss ich es nicht mehr. Besuche meiner Eltern erhielt ich nie und angeblich wurden die Telefonanrufe meiner Mutter abgeblockt. Keine Ahnung ob das alles stimmt. Meine Mutter war zu der Zeit psychisch Krank. Als man mich abholte - so erzählte man mir - war ich kränker als vorher und einige meiner Kleider waren verschwunden. Später kam ich mit ca. 7 Jahren noch einmal in ein Heim auch für ein paar Monate. Da war es nicht allzu schlecht. Aber Heim ist Heim. Es ist für mich unvorstellbar, wie Kinder, die für Jahre in so einem Heim aufwachsen mussten und diese Leiden ertragen mussten, heute (so hoffe ich für jedes Einzelne) ein einigermassen gutes Leben haben können resp. konnten. Solche Vertrauensbrüche und Gewalt an Kindern ist für das spätere Weiterkommen im Erwachsenenalter nicht mehr gut zu machen.

Ich habe einige Berichte von Betroffenen gelesen und bin erschüttert. Ich würde gerne mehr erfahren. Gibt es noch Betroffene, welche in Gais waren ?
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Re: Kinderheim Gais AR 1964

Beitragvon Rico » Di 30. Jun 2015, 02:57

Guten Tag
Ich war ca1966 in gais, wegen chronischen Keuchusten.
Ich melde mich hier, weil jemand nach der Verantwortlichen Heimleitung Fragte. Ich war erst 5 Jahre alt, trotzdem konnte ich Ihren Nahmen nicht vergessen. Frau Himmler war zuständig, eine etwa60 järige Dame aus Deutschland. Meine Gruppenleiterin hiess Birnen. Frau Himmler hatte zwei Katzen, die sie sicher mehr mochte als Kinder. Ihr verdanke ich mehrere Übernachtungen im Keller auf einem Natursteinboden. Da lag auch mal ein Junge mit gebrochenem oder ausgeränktem Arm eine Nacht lang. Alle Kinder mussten immer in einen Externen Schlafsaal ( Baracke) hinter den Haus 2 Stunden Mittagschlaf halten. Genau dann mussten junge Praktikantinnen oder Ältere Kinder die Baracke wischen. Das gehuste und gekeuche aller asmatischer Kinder werde ich nie mehr vergessen. Die alten moderigen militärwolldecken taten den rest. Gern wurde man an den Ohren rumgezerrt. Oder mit dem stöckchen bearbeitet. Für dazumal das gänige pedagogische Erzihungsmittel. Wenn es mal Fleisch oder Wurst gab, haben dies nicht selten die heilgen Katzen der Frau Himmler von den Teller gefressen. Es war nicht Ratsam den Tieren widerstand zu leisten. Ich war zirka 9 Monate da. Die werde ich nie vergessen. Auf anfrage der Stadt Zürich, bei der Reklamationen der Eltern eingegengen seien, an meine Mutter, habe sie nur entgegnet, sie hätte einen lieben und sauberen Knaben nach Gais geschickt, und ein verschüchtertes wildes Tier zurück erhalten.
Rico
 
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