Kommentar
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Helferin im Theresia 1965
Ich habe das Theresia auch gekannt, aber nicht als “Patientin”, sondern als Helferin. Über eine Bekannte , die sich zur Kleinkinderzieherin ausbilden liess und dort ein Praktikum absolvierte, habe ich 1965 als 15-Jährige die Schulsommerferien dort als Helferin oder Assistentin verbracht. Die Bilder mit den Liegen auf der Veranda haben sich unvergesslich eingebrannt.
Ich erinnere mich gut daran, wie wir morgens die Kinder in Wolldecken packen mussten und sie eine oder zwei Stunden an der frischen Luft auf den Liegen verbringen mussten. Dasselbe am Nachmittag, mit dem Unterschied, dass ihnen morgens Geschichten vorgelesen wurden oder dass gemeinsam gesungen wurde, währenddessen am Nachmittag Ruhe angesagt war.
Uns wurde gesagt, dass diese Kinder TB oder andere Lungenkrankheiten hätten, aber das hochalpine Klima von Davos nicht ertragen würden, daher ihren Aufenthalt im voralpinen Ägeri verbringen würden. Auch wurde uns gesagt, dass die Kinder keine Familie hätten oder aus “schwierigen” familiären Verhältnissen stammten.
Ich erinnere mich nicht daran, dass die Kinder irgendwann Besuch von der Familie hatten. Auch ist mir nicht in Erinnerung, dass die Kinder spazieren gingen oder sonst irgendwelche Freizeitaktivitäten ausübten. Wir Teenager wurden angewiesen, keine ärmellosen Blusen oder Oberteile zu tragen, damit die Kinder unsere Achselhöhlen nicht zu sehen bekommen.
Die Kinderkurklinik wurde bald geschlossen und in eine Altersresidenz für die dortigen Ordensschwestern umfunktioniert.
Rückblickend muss ich sagen: es war alles andere als kinderfreundlich und wohl eher eine Qual für die Kleinen dort.
Es passte in den Zeitgeist – 1966 war ich selber auch in einem Klosterinternat in Belgien – grässlich!
Rosemarie S. Völkle
5.3.2025